Das Kreisamt

Das Kreisamtsgebäude in Erbach wurde zwischen 1902 und 1904 als Sitz der Kommunalverwaltung erbaut.

Als Neubau stand es damals noch vollständig frei auf einem leichen Hügel.

Das repräsentative Gebäude wurde 1903 als „Großherzoglich Hessisches Kreisamt Erbach“ erbaut und diente bis 1945 als Dienstsitz der Kreisverwaltung des Kreises Erbach. Dort waren u.a. das Dienstzimmer und die privaten Wohnräume des jeweiligen Kreisdirektors untergebracht.

Eine schöne colorierte Ansichtskarte aus dem Jahr 1912

Im Jahr 1906 wurde diese Karte verschickt, kurz nach dem Bau. Zwei Herren posieren vor dem Gebäude, ist einer davon der Kreisamtsleiter?

In der Zeit des "Dritten Reichs" standen dem Erbacher Kreisamt folgende Personen als Behördenleiter vor:

16. Mai 1932 – 30. September 1937: Kreisdirektor Dr. Hermann Braun

1. Oktober 1937 – 28. Februar 1938: Kommissarischer Kreisdirektor Helmut Scheer (noch am 15.01.1938 "kommissarisch")

1. Juni 1938 – 29. März 1945: Kreisdirektor bzw. ab 1939 Landrat Dieter Stammler

ca. 1942 – 29. März 1945: Vertreter des Landrates (zeitweise, während dieser an der Ostfront seinen Kriegsdienst leistete) Karl Wilhelm Bornscheuer, der ab 1940 im Kreisamt als Regierungsrat arbeitete.

Sämtliche Bürgermeistereien in den Dörfern und Städten des Kreises Erbach unterstanden dem Kreisamt mit dem Kreisdirektor als Behördenleiter. Das Reichsinnenministerium ordnete eine deutschlandweite einheitliche Bezeichnung dieser Ämter nach preußischem Vorbild an. Zum 01. Januar 1939 erhielten alle Kreisämter des Volksstaates Hessen die offizielle Bezeichnung Landrat bzw. Landratsamt. Das Kreisamt/ Landratsamt agierte als Institution des NS-Staates im Odenwald, während die "Partei" durch die NSDAP-Kreisleitung vor Ort vertreten wurde. Diese verfügte über die Ortgsruppen mit den dazugehörigen Zellen und Blöcken in den einzelnen Dörfern und Städten des Odenwaldes ebenfalls über ein Kommunikationsnetz.

Die US-Armee besetzte am 29. März 1945 mit Erbach und Michelstadt die beiden größten Städte des Kreises. Die US-Militärverwaltung ernannte den Sozialdemokraten Karl Neff zuerst zum Bürgermeister von Michelstadt und wenige Tage später am 1. April 1945 zum Landrat des Kreises Erbach. Damit stand ein NS-Gegner (u.a. Bürgermeister von Michelstadt 1930-1933), der 1933 im KZ Osthofen und 1944 im KZ Dachau inhaftiert gewesen war, an der Spitze der Kreisverwaltung. Das Amt des Landrates bekleidete Karl Neff bis 1951.

(Quelle: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/3434)

Diese schöne Lithografie zeigt Erbach, das Schloss und "Neue Kreisamtsgebäude" wohl direkt nach Fertigstellung.