Die Stadtschule

Auf dieser Karte von 1903 sieht man ein paar Kinder für die Aufnahme posieren. Sie zeigt die neue Volksschule (auch Stadtschule oder wie auf der Karte, Realschule genannt), die gerade 2 Jahre zuvor, am 20.10.1901, feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde. Damals lag das Gebäude noch am Stadtrand in den Beinegärten und stellte nur 4 Schulräume zur Verfügung. Der Platz war dringend nötig geworden, da Michelstadt wuchs und da zahlreiche Initiativen für mehr Schulpflicht sorgten. Es war üblich damals, das Kinder auch arbeiteten, z.B als Dienstboten oder sogar in der Zündholzfabrik von Rexroth/Lynen. Diese Arbeitgeber wurden verpflichtet, ihren angestellten Kindern nebenbei die Schule zu ermöglichen. Im Fall der Zündholzfabrik klappte das zunächst nicht.

Diese Ansichtskarte ist aus dem Jahr 1902. Vom neuen Gebäude mit seinem wunderschönen Dach wurden gleich nach Errichtung viele Fotos gemacht. Ob die beiden Damen wohl Lehrerinnen waren?

Hierbei handelt es sich um eine private Aufnahme von 1902. Der Fotograf entschuldigt sich im Text für die nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallene Qualität der Aufnahme und verspricht einen neuen Versuch. Daran sieht man, das Fotografieren, ja sogar ein einziges Foto, damals beträchtlichen Planungsaufwand erforderte. Die Ausrüstung war auch nicht gerade geeignet, sie sich in die Hosentasche zu stecken.

Hier sieht man eine der ältesten Farbaufnahmen der Stadtschule, wenn auch nachträglich koloriert, denn echte Farbfotografie gab es 1908 noch nicht.

Schon 1909 wurde das Gebäude deutlich erweitert, der Anbau ermöglichte zunächst 6 weitere Schulräume. Danach kam bald der erste Weltkrieg, was sowohl bei den Lehrern (Einberufung) als auch den Schülern (Bucheckern sammeln, etc.) für Beeinträchtigung sorgte. Sogar ein Lazarett wurde eingerichtet, was erheblichen Einfluss auf die verfügbaren Räume hatte.

Später, 1929,  wurde das Gebäude erneut erweitert denn trotz der 10 Räume mussten weitere Schüler sogar noch im nahegelegenen Gasthof Schmerkers Garten unterrichtet werden.

Diese erstaunlich ähnliche Karte scheint eine Neuauflage der vorherigen zu sein, evtl. war dieses Motiv sehr beliebt. Es sind jedenfalls nicht identische Fotos, nur fast von der selben Stelle aus aufgenommen. Den Bäumen und der Schrift nach zu urteilen, ist diese Karte etwas aber nicht viel neuer.

Das in Odenwälder Buntsandstein gefertigte Wappen befindet sich über dem strassenseitigen Eingang des ursprünglichen Gebäudes.