Getreidehandel Speyer

Diese Rechnung aus dem Jahr 1909 sendete die Firma der Gebrüder Speyer nach Schlossau bei Mudau im badischen Odenwald. 760 Mark mussten bezahlt werden, für 15 Sack Weizenmehl und 10 Sack Roggenmehl.

Die Firma Speyer muss einen der ersten Fernsprecher in Michelstadt gehabt haben, mit der Nummer 11.

Der Getreidehandel Speyer befand sich in der Bahnhofstraße 44. Auf dem dahinter liegenden Grundstück befanden sich vor dem Bau der B45 noch zwei große Getreidehallen. Lazarus, genannt Louis Speyer, war Inhaber des Unternehmens und errichtet das Gebäude im Jahr 1900. Während des Krieges war Louis Speyer Brotgetreidekommisär und für die Ablieferung des zur Versorgung der Bevölkerung im Krieg benötigten Getreides zuständig.

Um Louis Speyer gab es viele Gerüchte und üble Nachrede. 1919 musste ihn der Kommunalverband Erbach daher in Schutz nehmen.

All dies ist Heinz-Otto Haag recherchiert und niedergeschrieben worden im Buch der "Gelben Reihe" Band 26, ab Seite 74 ff. Das Buch ist erhältlich im Kulturamt der Stadt Michelstadt.

Diese Nota von 1912 zeigt dass die Getreidepreise relativ stabil waren. Verschickt wurde das Getreide per Bahn.

 

Der Sohn von Louis, Hugo Speyer, übernahm zunächst das elterliche Geschäft, machte sich dann aber 1920 selbständig und gründete die Getreide- und Mehlhandlung Hugo Speyer in der Kellereibergstraße.

Das Geschäft florierte, aber nicht lange denn die Familie Speyer wurde, als jüdische Familie, von der NSDAP verfolgt. Hugo und die Familie konnten kurz vor ihrer Verhaftung allerdings fliehen und mit Hilfe jüdischer Organisationen nach Paraguay auswandern.

Im oben genannten Buch von Heinz-Otto Haag ist noch wesentlich mehr über die Familie Speyer und ihre Schicksale nachzulesen.

Hier noch der Umschlag in dem sich die Rechnung befand.